Umgeschulte Linkshänder (Erw.)

 

Umgeschulte Linkshänder (Erwachsene)

Umgeschulte Linkshänder haben es schwer, viele betroffene Erwachsene leiden seit Jahren oder Jahrzehnten unter psychischen Symptomen, ohne erkennbare Ursache. Die Problematik der unterdrückten Linkshändigkeit wird von der Psychologie/Psychotherapie leider immer noch nicht ernst genommen, sodass die meisten Psychotherapien mit umgeschulten Linkshändern keine Besserung bringen.

Mehr als man denkt

Die Dunkelziffer von umgeschulten Linkshändern bei Erwachsenen ist hoch. Viele Betroffene wissen nicht einmal, dass sie Linkshänder sind. Diese sind meistens schon im Kleinkindalter auf das richtige Händchen umgewöhnt worden und können sich deshalb an nichts erinnern. Sie haben sich notgedrungen mit ihrer rechten Hand als Arbeits- oder Führungshand identifiziert.

Negative Auswirkungen

Wenn Linkshänder nicht mit links schreiben dürfen, hat das immer negative Folgen. Entweder müssen die Betroffenen Einschränkungen im Lern- und Leistungsbereich oder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung hinnehmen. Manche Erwachsene erinnern sich daran, wie schwer für sie das Schreiben lernen in der Grundschule war. Die rechte Hand ist beim Linkshänder einfach feinmotorisch überfordert, wenn sie so eine anspruchsvolle Aufgabe wie das Schreiben lernen, übernehmen muss. Für sehr viele Betroffene war die Schulzeit eine Qual, da sie z.B. Lernstörungen wie LRS oder auch Dyskalkulie hatten. Und nicht nur das, viele umgeschulte Linkshänder hatten schon während ihrer Schulzeit unter verschiedenen psychosomatischen Beschwerden, Erschöpfungszuständen oder auch unerklärlichen Ängsten und Depressionen zu leiden.

Ein Linkshänder bleibt ein Linkshänder

Die angeborene Linkshändigkeit kann zwar auf der Verhaltensebene abtrainiert werden, aber innerlich bleiben die Betroffenen immer Linkshänder. Linkshändigkeit ist angeboren und damit die Dominanz der rechten Gehirnhälfte, die die Feinmotorik der dominanten linken Hand steuert. Durch die Umerziehung auf das Schreiben mit rechts können die Betroffenen ihre angeborene Linkshändigkeit bzw. ihre Fähigkeiten, die in ihrer dominanten rechten Gehirnhälfte liegen, nicht wirklich leben. Darin liegt die ganze Grausamkeit der Umerziehung oder Umgewöhnung auf das „richtige“ Händchen. Die von außen aufgezwungene Entfremdung von der linken Hand und der rechten Gehirnhälfte erleben viele Betroffene dauerhaft als Selbstentfremdung.

Psychische Symptome

Viele erwachsene umgeschulte Linkshänder leiden unter Erschöpfungsdepressionen, einer rezidivierenden depressiven Störung, unerklärlichen Ängsten, Minderwertigkeitsgefühlen etc. Diejenigen, die mit derartigen Problemen eine Psychotherapie beginnen, werden in den allermeisten Fällen nicht danach gefragt, ob sie möglicherweise unterdrückte Linkshänder sind. So wird eine entscheidende Ursache für die aktuelle Symptomatik ausgeklammert und die Psychotherapien helfen bestenfalls nur kurzfristig, aber nicht dauerhaft.

Was wirklich helfen kann

Der einzig wirkliche Ausweg liegt, meiner Erfahrung nach, in der Rückschulung. Wenn umgeschulte Linkshänder als Erwachsene wieder lernen, mit links zu schreiben, packen sie damit das Übel an der Wurzel. Eine Rückschulung sollte immer langsam und behutsam angegangen werden und eher nicht allein, sondern unter professioneller Begleitung. Durch die Rückschulung bekommen die dominante linke Hand und die dominante rechte Gehirnhälfte die Information, dass sie wieder am Leben teilnehmen dürfen. So können die Betroffenen allmählich doch noch zu ihrer angeborenen Linkshändigkeit und damit zu sich selbst zurückfinden. Auch ich habe als Erwachsene wieder mit links schreiben gelernt und diese Umstellung hat mein Leben dauerhaft positiv verändert.