Thema Rückschulung: Persönliche Erfahrungsberichte

Persönlicher Erfahrungsbericht 2

Ich begann erstmals zu fühlen und zu sehen, dass ich nicht die intellektuelle Frau bin für die ich mich immer gehalten habe, zu der ich mich immer notgedrungen gezwungen habe. Im tiefsten Innern gab es zwar immer eine kleine zaghafte Stimme, die mir sagte: „Das bist Du nicht, du bist nicht die intellektuelle Psychologin. Du bist in hohem Maße intuitiv und auch kreativ“. Aber dieser Stimme konnte ich nicht wirklich nachgeben, da ich vor meiner Rückschulung nicht verstand, wieso ich so anders war und im Grunde von aller Wissenschaft
nichts wissen wollte. Jetzt weiß ich es: meine Potentiale liegen in der rechten Gehirnhälfte, im Bereich der Intuition, im Bereich des Visuellen.

Ein absolut wichtiges Ergebnis meiner Rückschulung ist die Tatsache, dass ich mich jetzt traue, meiner inneren Stimme Raum zu geben. Ich kann mir jetzt aus vollem Herzen erlauben zu fühlen, dass ich schon im Alter von 16 Jahren einen kreativen Berufswunsch hatte, das ich nie Psychologie studieren wollte. Das ist emotional sehr entlastend und hat zur Folge, dass ich dabei bin, mein Leben grundsätzlich zu verändern. Meine rechte Gehirnhälfte bekommt mehr und mehr Raum und meine linke Gehirnhälfte hat viel Zeit zum Ausruhen. Ich brauche keine überhöhten wissenschaftlichen Ansprüche an mich zu stellen, werde stattdessen im Alltag, in vielen kleinen Dingen kreativer.

Eine kurze Geschichte meiner Wiedergeburt
Meine Umschulung auf die rechte Hand erfolgte vor Schuleintritt. Ich habe nur vage Erinnerungen daran. Bis zu meinem 33. Geburtstag verrichtete ich die wichtigsten Tätigkeiten mit der rechten Hand. Schon früh machte ich die Erfahrung, gerade in den Gebieten, die mir am meisten bedeuteten, regelmäßig zu versagen, und ich entwickelte daraus eine resignierte Haltung zum Leben: Was immer ich für mich wünschte, ich sei nicht dafür geschaffen.Als ich mich im Laufe meines 34. Lebensjahres auf die linke Hand zurückschulte, änderte sich das. Ich war sehr überrascht, als sich meine unerfüllten Träume plötzlich mit Macht über meine linke Seite in die Wirklichkeit drängten. Innerhalb eines Jahres erlangte ich Fähigkeiten, die jahrzehntelang brachgelegen hatten, ich lernte Zeichnen, präzises handwerkliches Arbeiten, Kochen, literarisches Schreiben und entwickelte unerwartete berufliche Kompetenzen; Vor allem bekam ich einen völlig neuen Blick auf mich und mein Leben. Das schnelle Wachstum und das plötzliche Nachlassen des Kompensations-Stresses waren gesundheitlich und mental nicht leicht zu verkraften. Aber ich gewann eine neue Sicherheit im Umgang mit den Wechselfällen des Lebens.Wenn ich mein heutiges Leben mit dem vor der Rückschulung vergleiche, dann bin ich ob der Diskrepanz an Lebensqualität und -Intensität mit großer Dankbarkeit erfüllt, so sehr, dass die Erinnerung jederzeit sofort, zuverlässig und vollständig gegen jede Art von Weltschmerz hilft. Ich lebe wie an den Ufern eines Flusses, der mich reich beschenkt, und sein gleichmäßiges Rauschen bildet den Rhythmus meines Lebens.

Deborah Erin