Identitätsstörung  
   
Wenn Linkshänder nicht mir links schreiben lernen, kann das psychische Probleme zur Folge haben, z.B. eine Identitätsstörung.
Bei umgeschulten Linkshändern ist fast immer das Gefühl zu sich selbst beeinträchtigt oder gestört, oft z.B. die Erfahrung, dauerhaft identisch mit sich selbst zu sein.

Die Frage: " Wer bin ich, und was will ich überhaupt?" trieb mich um, seit ich 18 Jahre alt war. Dass dieses drängende Problem aber stark mit meiner unterdrückten Linkshändigkeit zusammenhing, wurde mir erst durch meine Rückschulung klar.
 
Nicht jeder umgeschulte Linkshänder entwickelt eine schwere Identitätsstörung, sehr viele aber empfinden eine permanente Selbstentfremdung oder eine ständige innere Verunsicherung. Aus Mangel an einem eindeutigen Selbstgefühl orientieren sich umgeschulte Linkshänder viel zu oft an anderen Menschen. Teilweise identifizieren sie sich mehr mit anderen Personen und deren Interessen, anstatt mit ihren eigenen Bedürfnissen.

Als ich mit meiner Rückschulung begann, erlebte ich deutlich wie nie zuvor das schöne Gefühl: "Das bin ja ich, die hier mit links schreibt". Es war begleitet von einer großen Freude und Begeisterung. Ansatzweise war mir dieser Zustand zwar bekannt gewesen, z.B. aus meinen ersten beiden Schuljahren, als ich noch viel mit links gemalt hatte. Ich kannte ihn auch aus meiner Gymnasialzeit, als ich ganz bewusst Geometrie nur mit links machte und mich dabei sehr wohl fühlte.

Das tiefe Gefühl, mit mir selber identisch zu sein, erschloss sich für mich aber erst durch die Rückschulung. Dieser Prozess war für der Durchbruch zu völlig neuen Erfahrungen mit mir selbst.

In meiner täglichen Arbeit in meiner Beratungsstelle für Linkshänder hat sich für mich wiederholt gezeigt, dass die Umschulung bei einem Linkshänder auch eine schwere Identitätsstörung zur Folge haben kann. Es war dann immer sehr schön zu sehen, wie Menschen durch die Rückschulung aus ihrer Identitätsstörung herausgefunden haben.

Die Rückschulung kann einem umgeschulten Linkshänder dazu verhelfen, sich dauerhaft identisch mit sich selbst zu fühlen und dadurch sicher und selbstbewusst zu werden.